Auf Sand gebaut?

Es klang wie ein Märchen, als Abu Dhabi 2006 den Bau der ersten emissionsfreien Stadt der Welt ankündigte. Doch zehn Jahre später ist aus Masdar City eine unendliche Geschichte geworden.

Während Abu-Dhabi, die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats, unter Temperaturen von über 40 Grad leidet, weht 17 Kilometer weiter östlich eine angenehme Brise durch Masdar City. Ein 45 Meter hoher Windturm saugt die kältere Luft der höheren Schichten an und leitet sie durch die weitgehend leeren Straßen. So beeindruckend die Konstruktion auch ist, der einstige ökologische Hoffnungsträger erinnert heute an eine grüne Geisterstadt.

Foto: © Foster + Partners

„Abends gehen wir früh ins Bett oder arbeiten lange“, sagt Miguel Diago. Der Spanier macht seit 2013 seinen Doktor der Ingenieurswissenschaften am Masdar Institute of Science and Technology. Er und seine rund 300 Kommilitonen sind die einzigen dauerhaften Bewohner einer Stadt, in der es nicht viel zu tun gibt. „Am Wochenende gehen wir vor allem ins Einkaufszentrum in der Innenstadt“, meint Diago, der sich trotz allem nicht beschweren will. „Hier wird man fürs Studieren bezahlt und Masdar ist Partner des MIT in Boston.“ 7000 Dinar (1710 Euro) bekommen die Studenten pro Monat, Miete zahlen sie nicht.

Wäre alles nach Plan gelaufen, würde Masdar City heute über 50.000 Einwohner auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern versammeln, 40.000 Pendler wären jeden Morgen in die Stadt gekommen. Das es einmal nicht so kommen würde, hätte sich damals niemand vorstellen können, zu perfekt war die Ausgangslage. 14,4 Milliarden Euro investierte die Regierung damals, als Chefentwickler konnte Fosters + Partner gewonnen werden, das vielleicht renommierteste Architekturbüro der Welt.

Foto: © Nigel Young, Foster + Partners

Foto: © Foster + Partners

Doch kurz nach dem ersten Spatenstich brach 2008 die Finanzkrise aus, ein Jahr später musste Abu-Dhabi das Schwesteremirat Dubai mit 90 Milliarden Euro vor dem Bankrott retten. Der Ölpreis brach ein und der Arabische Frühling markierte ab Dezember 2010 den Beginn einer politisch instabilen Phase in der Region. Konnte Abu-Dhabi sich unter diesen Umständen zunächst noch als Hafen der Stabilität präsentieren, zeigen die zuletzt wieder im Juni aufgeflammten Spannungen mit dem Nachbarland Katar, dass auch dieser Teil des Golfes alles andere als ruhig ist.

Masdar City geriet unter diesen Bedingungen in den Hintergrund. Gerade einmal 5% der ursprünglich geplanten Fläche sind heute umgesetzt, das Datum der Fertigstellung wurde von 2016 auf 2030 verschoben. Und auch von dem Ziel der kompletten Emissionsfreiheit hat man sich inzwischen verabschiedet. Statt 0% liege man im Moment bei 50% Emissionen, räumt Chris Wan ein, verantwortlicher Design Manager des Projekts. Doch den Anspruch, die nachhaltigste Stadt der Welt zu bauen, hat man nicht aufgegeben. Und bei allen Rückschlägen gibt es durchaus auch Positives zu vermelden.

 

 

 

Foto: © Foster + Partners

Die 2009 von 75 Staaten gegründete Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) wählte Masdar City als ihren Hauptsitz aus, Siemens siedelte in der Öko-Stadt seinen Hauptsitz für den Mittleren Osten an. Fast alle Gebäude sind mit Solarpanelen ausgestattet und auf maximale Energieeffizienz ausgelegt. Eine Solarfarm am Eingang der Stadt produziert mehr als 10 Megawatt, mehr als genug um den Verbrauch von durchschnittlich 3,5 Megawatt zu decken Allerdings beruht der geringe Konsum vor allem auf der niedrigen Einwohnerzahl. Zu den 300 festen Studenten kommen gerade einmal 2000 Arbeiter pro Tag und 2300 Touristen pro Monat.

Die Bauarbeiten standen lange still, jetzt sollen in den nächsten fünf Jahren wieder Schulen, Restaurants, Wohnungen Bürogebäude, Hotels und Shops entstehen. Eine Einwohnerzahl von 3500 wird bis dahin zunächst angepeilt, danach soll es steil bergauf gehen. Zwar ist den Verantwortlichen inzwischen bewusst geworden, dass sie ihre ehrgeizigen Ziele nicht mehr erreichen werden. Doch anstatt Revolution sehen sie Masdar City jetzt als ökologische Inspiration, das auch andere Städte weltweit zum umweltfreundlichen Träumen anregen kann.

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Titelfoto: © Nigel Young, Foster + Partners

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