Gartenkolumne 1 – Winterbilder

Verschneit liegt rings die ganze Welt, ich habe nichts, was mich erfreut. Nur mein Garten welcher sich in voller Schönheit zeigt kann mich erfreuen…

Nach J. Eichendorff

Winter ist die Zeit der Besinnung und der Ruhe, aber keinesfalls der Langeweile. Das gilt für den Alltag genauso wie für den Garten. Doch gerade dort scheint es ein menschliches Bedürfnis zu sein, das Jahr „sauber“ abzuschließen. Im Herbst wird deshalb gerne alles entfernt, was nicht direkt verwurzelt ist. Vielleicht kommt dieser Reflex noch aus Zeiten, in denen vor dem ersten Frost unbedingt die Ernte eingebracht werden musste. Das mag damals sinnvoll, wenn nicht sogar überlebenswichtig gewesen sein. Heute allerdings macht man damit frühzeitig die Möglichkeit auf ein wunderschönes Winterpanorama zunichte.

Denn mit dem weißen Umhang ändert der Garten seine Erscheinung komplett. Durch das Zusammenspiel von hellem Schnee oder Raureif und dunklen Elementen, wie zum Beispiel immergrünen Blättern, entstehen tolle Kontraste und Bilder, die ständig in Bewegung sind. Schon ein bisschen Wärme der aufgehenden Sonne lässt das Eis schmelzen, die Farben ändern sich innerhalb kürzester Zeit, von winterlicher Eintönigkeit und Langeweile keine Spur. Vielmehr herrschen Abwechslung und Überraschung, jeder morgendlicher Blick in den Garten kann ein anderer sein.

Diese Vielfalt kann man schon früh fördern. Eine Auswahl an verschiedenen Stauden, Gräsern, immergrünen Gehölzen, Gehölzen mit Winterfrüchten und verschiedenen Holzfarben lassen erfrischende Farbtupfer durch das Weiß hindurchbrechen. Das Beispiel von Raureif auf einer Kombination von Stauden und Gräsern mit unterschiedlichen Blütenständen und geschnittenen, immergrünen Gehölzen ist dabei besonders schön. Wenig erinnert so sehr an zarte Zerbrechlichkeit wie diese ganz besondere Verbindung, die nur im Winter entstehen kann.

Auch die Anordnung der Pflanzen selber kann einen Rahmen bilden, in dem sich die winterliche Schönheit voll entfalten kann. Geometrische Formen schaffen Flächen, auf denen sich der Schnee ablagert und tolle Kontraste entstehen können.

Baumaterialien sind ebenfalls wichtige Träger für Farbe und Struktur. So prägen Klinker, Naturstein oder ein farbiger Pavillon das Bild des Gartens ganz unterschiedlich in Winter und Sommer. Sehr deutlich wird dies auf den nachfolgenden Bildern.

Auf den immergrünen Gehölzen im Vordergrund, in diesem Fall Ilex aquifolium und Prunus laurocerasus, zeigt sich das Spiel der Verwandlung. Im Sommer hat die Remblerrose auf dem Pavillondach mit Ihrer berauschenden weißen Blütenfülle für Farbe gesorgt, im Winter sind es ihre dichten Zweige, die den Schnee halten. Die Farbe des Pavillions bildet einen Kontrast, der erst im Winter richtig zur Geltung kommen kann.

Im Sommer blühende Stauden und Gräser sollten also nicht abgeschnitten werden. Die Blütenstände sehen schon vom ersten Frost gezeichnet sehr interessant aus. Zudem wärmen sie kleinste Insekten, die Zuflucht in den Hohlstengeln finden und immens wichtig für den Garten sind. Viele Menschen werden unsicher, wenn der Winter im Garten Einzug hält. Dabei gibt es nichts zu befürchten. Zeigen Sie einfach das gleiche Vertrauen in Ihren Garten wie im Sommer. Er wird es mit schönsten Winterbildern danken.

Bis zum nächsten Mal,

Ihre,

Annekathrin Bernstein

Fotos: © Pexels, John Price

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