Home, sweet home – Gewebte Mehrfamilienhäuser

Nicht nur wir Menschen kennen das Bedürfnis, irgendwann ein Nest zu bauen, um eine Familie zu gründen. Vögel kennen das natürlich auch. Wobei die Nestbauten unserer heimischen gefiederten Freunde im Vergleich zu denen hier eher dürftig aussehen. Das sind die Nester von afrikanischen Webervögeln, einer Sperlingsart – in diesem Fall in der Kalahari-Wüste. Für ihre bis zu 3 Meter hohen und 4,5 Meter breiten Mehrfamilienhäuser gründen sie Baugemeinschaften von mehreren hundert Parteien. (Beim Gedanken an Eigentümerversammlungen kann einem da schon mal schwindlig werden.) Die Männchen suchen Grashalme und Pflanzenfasern in der Umgebung und verweben diese zu kunstvollen Wohneinheiten. Die individuellen Eingangsbereiche sind röhrenförmig nach unten angelegt und gewährleisten einen barrierefreien Zugang – außer für Raubvögel und andere natürliche Feinde. Die Weibchen entscheiden beim Richtfest spontan, ob ihnen der potenzielle Göttergatte nebst Wohneinheit zusagt, und kümmern sich dann gegebenenfalls um den Innenausbau. Was anschließend kommt, kennt man aus dem Biologieunterricht. Ein gewisses architektonisches Gespür für gezielte Stilbrüche und die Verbindung von Tradition und Moderne beweisen die Piepmätze, wenn sie ihre Eigenheime nicht wie seit jeher auf irgendwelchen Bäumen errichten, sondern auf den infrastrukturellen Errungenschaften der menschlichen Zivilisation – sprich: auf Telegrafenmasten. Das gilt als schick und immer mehr Webervögelbaugemeinschaften folgen diesem modischen Trend. Unter statischen Gesichtspunkten ist diese Baupraxis aber eher undurchdacht, denn die dünnen Masten drohen häufig unter der Last zusammenzubrechen. Dann erfolgt zwangsweise der vollständige Rückbau durch die Mitarbeiter der örtlichen Telegrafiegesellschaft. Schade drum.

DILLON MARSH

Der Südafrikaner Dillon Marsh setzt sich in seinen dokumentarisch anmutende Fotoserien mit sogenannten „Landmarks“ auseinander – „Sehenswürdigkeiten“ der besonderen Art. Der Fotograf hat Kunst an der University of Stellenbosch studiert und durch Ausstellungen in Südafrika, Portugal, der Schweiz und den Niederlanden auch international auf sich aufmerksam gemacht.

Fotos: © Dillon Marsh

 

 

 

Comments are closed

Cookie-Präferenz

Bitte wählen Sie eine Option. Mehr Informationen zu den Folgen Ihrer Wahl finden Sie unter Hilfe.

Wählen Sie eine Option, um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert

Hilfe

Hilfe

Um fortzufahren, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Im Folgenden finden Sie eine Erklärung der verschiedenen Optionen.

  • Alle Cookies akzeptieren:
    Alle Cookies wie Tracking- und Analyse-Cookies.
  • Tracking-Cookies ablehnen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, außer die aus technischen Gründen notwendigen Cookies.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit ändern: Datenschutzerklärung.

Zurück