Schon lange fertig

Seit wann, glauben Sie, gibt es Fertighäuser? Seit den Siebzigern? Den Sechzigern vielleicht? Nicht ganz. Bist 1865 lassen sich die Spuren dieses heute so beliebten Baukonzeptes nachverfolgen. Und genau das haben wir für Sie gemacht. Eine Reise, die ans Meer führt.

Also, es fängt damit an, dass wir in der Stadtbäckerei in Wolgast bei Usedom stehen und einen Kaffee aus der Tasse trinken. Wolgast, das ist eine Stadt im Nordosten Deutschlands, zu drei viertel auf dem Festland, zu einem viertel auf Usedom gelegen. Es ist Ende Mai, unter der Woche und obwohl das Wetter schon frühmorgens sommerlicher ist als in manch anderen Sommern, ist noch kaum ein Mensch auf der Straße. Was wir hier machen? Während über der Ostsee die Sonne aufgeht, suchen wir nach den ersten Fertighäusern Deutschlands.

Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt die kleine Stadt an der Küste einen Boom. Die lokalen Reeder verfügen zusammen über mehr als 20 Handelsschiffe. Sie dominieren die Weltmeere nicht, aber man trifft sie dort an. Einer, der für die heimische Werftenindustrie arbeitet, ist der Schiffsbaumeister Heinrich Kraeft. Seine 1865 gegründete „Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung“ führt zunächst Arbeiten für die Schiffereihersteller aus. Doch bald kommt ihm und dem Architekten Johannes Lange die Idee, individuell zusammenstellbare Holzhäuser anzubieten. Per Katalog bestellbar erlebten die sogenannten Wolgasthäuser einen kleinen, aber feinen Aufschwung. Über 150 Exemplare fertigen Kraeft und Lange. Eins davon findet seinen Weg auf die Weltausstellung 1893 in Chicago, andere kommen bis nach Südamerika und Deutsch-Ostafrika.

Die DJH-Jugendherberge in Heringsdorf auf der Insel Usedom

Die meisten Wolgasthäuser bleiben allerdings in der Region, auch weil diese zum Ende des 19. Jahrhunderts als Ferienregion von vermögenden Inländern entdeckt wird. Da bietet sich ein einfach zusammenstellbares Heim als Ferienhaus geradezu an. Um diese zu finden, setzen wir über die zumindest lokal berühmte Peenebrücke nach Usedom über. Es dauert knapp 40 Minuten, dann stehen wir im Eichenweg in Heringsdorf. Hier stehen gleich mehrere Wolgasthäuser dicht an dicht. Besonders beeindruckend ist die Villa Florence. Erbaut von Dr. Sylvester, dem Zahnarzt Wilhelm des zweiten, versteckt sie sich leider hinter Bäumen. Etwas schlichter, dafür besser einsehbar, ist die Villa Waldfrieden. Laut einem Anwohner hätte sie damals als Pförtnerhaus dienen können. Früher war das ganze Areal natürlich noch deutlich lichter bebaut als heute.

Es ist erstaunlich, wie gut die Wolgasthäuser erhalten sind. Heute ist das Wetter schön, doch das ist nicht immer so. Wir sind an der Küste, die Witterung ist deutlich öfters rau denn angenehm. Und trotzdem sehen die über hundert Jahre alten Häuser immer noch so aus, als könnte man jederzeit einziehen. Ein tolles Beispiel für den Qualitätsanspruch, der in der Fertighausfertigung von Beginn an gelebt wird und der natürlich auch von OKAL weitergetragen und stetig perfektioniert wird.

Villa Undine in Binz

Kurz darauf sind wir auf dem Weg zurück ins Inland. Dahin, wo früher viele der Industriellen und Großbankiers hergekommen sind, deren Wünsche das architektonische Bild der Gegend so sehr geprägt haben. Leider ruft die Pflicht, doch wären wir gerne über Nacht geblieben. Denn auch die Jugendherberge in Heringsdorf, die ehemalige Villa Ebel, ist ein lupenreines Wolgasthaus. Und wenn Sie aus dem Herbergsalter schon raus sind, aber trotzdem mal in einem Wolgasthaus Urlaub machen wollen, dann können wir Ihnen die Villa Undine in Binz auf Rügen empfehlen. Liebevoll restauriert und beinahe direkt am Meer gelegen, finden Sie hier mit Sicherheit die gleiche Entspannung wie Kaisers Wilhelms Zahnarzt vor über 100 Jahren.

Titelbild: @ Mandy Knuth

Beitragsbild oben: © Andreas Dumke Beitragsbild unten: © Kurverwaltung Binz/Christian Thiele

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